Netzwerkbüro Theologie und Berufsqualifikation
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Berufsfeld konkret: Trainer_in, Coach, Supervisor_in

11.12.2017 um 18:00 Uhr

„Eine Trainer iste keine Idiot!“ (frei nach Trapattoni)

„Ist das Berufsbild Trainer_in oder Coach etwas für mich?" Diese Frage stellten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Workshop-Tages zum Thema Trainer_in, Coach und Supervisor_in.
Frau Dr. Barbara E. Meyer (www.sprachraum.org) – selbst seit über zehn Jahren als Coach und Trainerin tätig – gestaltete die Einführung in das Berufsfeld ganz praktisch. Was macht ein Trainer und Coach konkret? Wie arbeitet ein Moderator? Was ist die Aufgabe eines Mediators?
Neben ausführlichen Informationen zur Ausbildung, der Akquise der Kunden, über die Bezahlung und den Berufsalltag erfuhren die Teilnehmer auch wissenswertes zur Profilierung des eigenen Arbeitsbereiches: Wer ist meine Zielgruppe? Welche Ziele setze ich mir?
Um einen authentischen Einblick zu gewährleisten wurden die Berufe auch ganz praktisch getestet: Dabei wurde ein Trainingstag grob geplant und ein Coachinggespräch simuliert.
Im gemeinsamen Gespräch erkannten die Teilnehmer, welche Voraussetzungen und Erfahrungen sie durch ihr Theologiestudium und verschiedene Ehrenämter bereits mitbringen, aber auch, was ihnen noch dazu fehlt sich sicher in diesem Berufsfeld zu bewegen. Die einhellige Meinung der Teilnehmer? Ein spannender und gewinnbringender Tag!

Im Anschluss an unseren Workshop-Tag hatten wir bei unserer Veranstaltung "Berufsfeld konkret: Trainer_in, Coach, Supervisor_in" Hannelore Peteranderl zu Gast. Sie hat an unserer Fakultät Theologie studiert und war als Pastoralreferentin lange Zeit in der Seelsorge tätig. Mittlerweile arbeitet sie als freiberufliche Trainerin, Coach und Supervisorin. Für das Netzwerkbüro berichtete sie von ihrem Werdegang und ihrem Arbeitsalltag.

DIE DENKPROZESSE BEGANNEN HIER AN DER UNI

Kein Platz blieb bei der BerufsfeldKonkret-Veranstaltung zum Thema Training, Coaching, Supervision frei, zu dem das Netzwerkbüro für Theologie und Berufsqualifikation eingeladen hatte. Das lag vor allem an Hannelore Peteranderl, die als Referentin zu Gast war. Die 57-Jährige ist freiberufliche Trainerin, Supervisorin und Theologin. Seit rund zwanzig Jahren coached und trainiert sie Führungskräfte von Firmen wie Audi oder Metro und ist als Supervisorin wichtige Ansprechpartnerin für Seelsorger der Erzdiözese München und Freising. Die BerufsfeldKonkret-Veranstaltung des Netzwerkbüros war für Hannelore Peteranderl auch eine Rückkehr an ihre Alma Mater, an der, wie sie sagt, ihre Denkprozesse begonnen haben und ihre berufliche Karriere ihren Anfang nahm.

DAS THEOLOGIESTUDIUM AN SICH HAT MIR NICHT GEFALLEN

Nach der Schule wollte Frau Peteranderl eigentlich Psychologie studieren, doch scheiterte das am Numerus Clausus. Stattdessen studierte sie Germanistik und katholische Theologie. Germanistik, weil ihr Deutsch schon am Gymnasium immer besonders gefallen hatte, Theologie, aufgrund ihres leidenschaftlichen Engagements in der Jugendarbeit ihrer Pfarrei. Während sie studierte, musste sie jedoch feststellen, dass das Studium alleine ihr nicht reichte. „Deutsch an der Schule fand ich super, an der Uni war es bescheuert.“ Auch an der Universitätstheologie fand sie nicht so recht gefallen, „die war viel zu theoretisch“, erinnerte sie sich. Etwas Praktisches musste her. Deshalb begann sie die Ausbildung zur Pastoralreferentin im Ausbildungszentrum der Erzdiözese. „Das war vor allem in sozialer Hinsicht super.“ Nachdem sie ihr Studium abgeschlossen und ein Jahr lang Projektarbeit in Bolivien geleistet hatte, begann Frau Peteranderl als Jugendseelsorgerin zu arbeiten und nahm in den folgenden Jahren auch immer wieder an Fortbildungen und Seminaren teil. Als ein besonders prägendes Erlebnis blieb ihr ein sogenanntes Gruppendynamisches Training, an dem sie in Münster teilnahm, im Gedächtnis. Eine Woche beschäftigten sich die Teilnehmer nur mit Problemen und Geschehnissen in der Gruppe. Für Hanne Peteranderl war es vor allem eine Zeit, in der sie viel über sich selbst lernte – eine Grundvoraussetzung für den Beruf des Trainers.

WAS ERHOFFEN SIE SICH VON IHREM THEOLOGIESTUDIUM?

„Als ich hier in München studiert habe, war die Universität eine Wüste“, erzählte Frau Peteranderl. Den Teilnehmer_innen unserer Veranstaltung, die sich neben Theologie auch aus anderen Studiengängen kamen, riet sie, sich nicht automatisch mit dem zufrieden zu geben, was die Uni einem bietet. „Ich bereue es sehr, dass ich damals nur in München geblieben bin und nicht an eine andere Universität gegangen bin.“ Nachdem sie das Studium abgeschlossen hatte war ihr Ausbildungsweg aber keinesfalls beendet. Ihr Interesse für Psychologie ließ die Theologin nie los und so absolvierte sie Ausbildungen in Systemischer Beratung und Gewaltfreier Kommunikation. „Die Ausbildung habe ich nicht geplant, das ist so peu à peu passiert“, erzählte sie. Gerade die Gewaltfreie Kommunikation, deren Begründer Marshall B. Rosenberg sie noch selbst kennenlernte, hat es ihr angetan. Die Frage nach der Gestaltung gewaltfreier Kommunikation prägt sie bis heute, „das ist meine Sicht der Welt geworden“. Ein für sie auch tiefchristlicher Ansatz:

GOTT IST DAS DAZWISCHEN

„Alle Menschen stellen sich immer und überall existenzielle Fragen“, sagt Hanne Peteranderl und spricht dabei aus Erfahrung. „Ich glaube ich habe mit Audi-Managern mehr über Religion gesprochen als mit Kirchenvertretern“. Denn die Grundfragen die eine Trainerin sich in ihrem Beruf stellt: „Wie gestalte ich Beziehungen? Wie schaffe ich Kooperation?“– „Das ist für mich tiefspirituell“, sagt sie. 18 Jahre hat sie für die Katholische Hochschulgemeinde gearbeitet, bevor sie sich Vollzeit dem Trainerberuf widmete. „Als ich das angefangen habe, hätte ich nie gedacht, dass sich damit Geld verdienen lässt“, erinnerte sich Frau Peteranderl, „aber mit gewaltfreier Kommunikation geht das ganz gut“.

WIE WIRD MAN ÜBERHAUPT TRAINER_IN, COACH ODER SUPERVISOR_IN?

Ihren eigenen beruflichen Werdegang sieht Hanne Peteranderl nicht exemplarisch für das Berufsfeld an sich. „Ich hätte zugegebenermaßen auch etwas anderes studieren können“, sagte sie. Wichtig seien vor allem praktische Erfahrungen: „Das meiste, was mir im Studium und der Zeit danach geholfen hat, waren meine Zeit als Jugendleiterin in meiner Pfarrei. Heute bin ich erschüttert was 16-Jährige Mädchen stattdessen mit ihrem Hirn anfangen.“ Wichtig sei es vor allem auch, sich selbst kennen zu lernen. „Sammeln sie Erfahrungen, gute wie schlechte und begrüßen sie ihr Scheitern. Lernen sie kennen was ihnen Spaß macht.“ Auf dieser Basis hat sich Hanne Peteranderl ihre beruflichen Schwerpunkte aufgebaut: Coaching, Seminare und Ausbildung. Wer sich dieses Berufsbild konkret für sich vorstellen kann, sollte aber zuvor auch anderweitig berufstätig gewesen sein. „Man muss schon wissen wie es ist, einen Idioten zum Chef zu haben oder wie es ist, gnadenlos mit den Kollegen zu konkurrieren, bevor man anderen Leuten damit helfen soll.“

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