Netzwerkbüro Theologie und Berufsqualifikation
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MagisterForum

"Geschafft!- Aber wie?"

19.06.2017 um 18:00 Uhr

Einfach machen - Die Kunst die Magisterarbeit richtig einzuschätzen

Wie schreibe ich eine Magisterarbeit und was kann ich mir davon erwarten? Ein abgeschlossenes Theologiestudium. Und darüber hinaus?
Um die Fragen und Mythen aufzuklären, die sich um die Magisterarbeit ranken, lud das Netzwerkbüro zum ersten Mal zum MagisterForum ein. Sechs Studierende stellten ihre Abschlussarbeiten vor, die sie in den letzten Monaten geschrieben haben. Ihren jüngeren Kommiliton_innen, die die Magisterarbeit noch vor sich haben, erzählten sie, welche Probleme sie zu bewältigen hatten und welche Erfahrungen sie dabei gesammelt haben.

„DAS IST DER, DER NICHT PAPST GEWORDEN SONDERN IN DIE GEMEINDE GEGANGEN IST“

Für ihre Magisterarbeit hat sich Monika Schug einen großen zeitgenössischen Theologen ausgesucht. Aufgewachsen in Traunstein kam er für das Theologiestudium nach München und lebte dort im herzoglichen Georgianum bis zu seiner Priesterweihe im Jahr 1951. Es war - Rupert Berger. Neben diesen biographischen Gemeinsamkeiten teilte er sich außerdem ein Zimmer mit dem späteren Papst Joseph Ratzinger. In Ihrer Abschlussarbeit wollte Monika Schug mit Rupert Berger einen Theologen betrachten, der die großen Veränderungen rund um das Zweite Vatikanische Konzil im Kleinen, in den Gemeinden, mit erlebte und mit prägte.

„MÄNNER SOLLTEN AUCH HAUPTBERUFLICHE VÄTER UND HAUSMÄNNER SEIN DÜRFEN“

Theologie, die nicht ins Regal gehört, entsteht manchmal auch in Bibliotheken, sondern im Kino. Christina Binder hat sich für Ihre Magisterarbeit keinen Theologen, sondern Dustin Hoffman näher angeschaut und zwar in seiner Rolle als plötzlich allein erziehender Vater Ted im Film „Kramer gegen Kramer“. Der karrierebewusste Ted muss, nachdem er von seiner Frau verlassen wurde, plötzlich seine Vaterrolle neu lernen und sich alleine um den Haushalt und Sohn Billy kümmern. Im Rahmen einer sozialethischen Analyse ging Christina Binder der Geschichte des Familienbildes in der Gesellschaft auf den Grund und widmete sich der Frage, warum unsere familiären Rollenbilder eigentlich so sind, wie sie sind. Die Idee einer Filmanalyse als Magisterarbeit hat sie gemeinsam mit ihrem Betreuer Dr. Veith entwickelt. Ihr Tipp für die Studierende: die Magisterarbeit nicht unterschätzen.

„ICH WOLLTE PIONIERGEIST LEBEN, KEINE AUSGETRETENEN PFADE BESCHREITEN “

Die besten Fragen stellt der Alltag. Wie kann man eigentlich Mitglied in der AfD sein und gleichzeitig behaupten, Christ zu sein? Aufgrund seiner Fassungslosigkeit ob dieses Phänomens und da zu diesem aktuellen Thema auch bisher wenig geforscht wurde, entschloss sich Benedikt Löw Pionierarbeit zu leisten. Das geht nämlich in der Theologie immer noch, ist aber mit viel Arbeit verbunden. Anders würde er sich beim nächsten Mal trotzdem nicht entscheiden. Deshalb riet er, sich ein Thema zu suchen, für das man sich persönlich interessiert. Seine Neugier brachte ihn dazu, schon früh mit der Arbeit anzufangen und motivierte ihn während des gesamten Schreibprozesses. „Und überlegt euch, bei welchem Dozenten ihr schreiben wollt!“

„EIGENTLICH SOLLTE DIE KIRCHE DER ANWALT DER SCHÖPFUNG SEIN“

Themen für eine Magisterarbeit finden sich auch nicht nur in Büchern und den Nachrichten, sondern zum Beispiel auch beim Tauchen mit Lederschildkröten. Dabei konnte Christopher Schwepfinger selbst erleben wie sehr die Schönheit der Natur viel zu häufig unter dem zerstörerischen Einfluss des Menschen leidet. Gerade im Meer wird das deutlich. „Eine Würfelqualle und eine Plastiktüte sehen im Wasser so ähnlich aus, dass Schildkröten da dann rein beißen und qualvoll sterben“. Seine Magisterarbeit schrieb er deshalb über Umweltethik und die spezielle Verantwortung der Christen für die Schöpfung. Die muss nämlich jeder Christ übernehmen, denn selbst die einzelnen Gemeindehaushalte beeinflussen das Meer. Mit seiner Magisterarbeit plädiert Christopher Schwepfinger für einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung. Mit diesem Statement findet er sich in guter Gesellschaft - Papst Franziskus hat sich seinen Namen auch nicht zufällig gewählt.

„MAN KANN AUCH MIT UNTHEOLOGISCHEN MITTELN EINE MENGE SEITEN FÜLLEN“

Man stelle sich vor einer Junge überlebt ein Schiffsunglück und treibt danach monatelang in einem Rettungsboot über den Pazifik. Gemeinsam mit einem Tiger und tiefen religiösen Überzeugungen aus dem Hinduismus, Islam und dem Christentum zur Stärkung im Gepäck. Die Geschichte, die im Buch „Schiffbruch mit Tiger“ beschrieben wird und als Film „Life of Pi“ ein großer Kinoerfolg wurde, regt zum Nachdenken an. Anne Schläpfer brachte sie dazu, ihre Magisterarbeit im Fach Fundamentaltheologie über den multireligiösen Pluralismus zu schreiben. An dieser literaturwissenschaftlichen Arbeit schätzte sie vor allem ein Buch als Hauptquelle zu haben, an dem sie ihre Gliederung ausrichten konnte.

„AUGUSTINUS HAT GESAGT: WIR MÜSSEN DRÜBER REDEN - DANN PROBIEREN WIR'S HALT“

Dass auch vermeintlich bereits gut bearbeitete Themen große Möglichkeiten zur weiterführenden Forschung bieten, hat Philipp Koch genutzt und sich einem der zentralen christlichen Mysterien gewidmet - der Trinitätslehre. In seiner Magisterarbeit setzte er ich mit dem Liebesbegriff in der Trinitätslehre des Augustinus auseinander. Mit interessanten Ergebnissen: „Wenn da ein Apfel liegt und ich will ihn haben, dann liebe ich ihn. Bei Augustinus geht das“. Ein Thema zu erforschen, an dem sich bereits ein Kirchenvater abgemüht hat, empfand Philipp Koch auch als Herausforderung. Einerseits konnte er auf dem bestehenden Forschungsstand aufbauen, andererseits musste er auch umfangreiche Sekundärliteratur sichten.

Ein Schema-F für die Magisterarbeit gibt es nicht. Jedoch führen viele Wege zum Ziel und das MagisterForum hat gezeigt, dass sich Studierende, die das Projekt Abschlussarbeit noch vor sich haben, nicht davor fürchten müssen, etwas Neues auszuprobieren. Und bei ausreichend Zeit und einer guten Planung kann die Magisterarbeit zu einem erfüllenden Projekt und einem gelungenen Studienabschluss werden.