Netzwerkbüro Theologie und Berufsqualifikation
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Alumni-Portrait: Gabriel Lenz - Geschäftsführer der Kommission für caritative Fragen der DBK

Name Gabriel Lenz
Geburtsjahr 1984
Familienstand/Kinder verheiratet
Studium
(Studiengang/-gänge
sowie Studienort/-orte)

Katholische Theologie (Diplom), Ludwig-Maximilians-Universität München

Abschlussjahr 2014
Berufliche Stationen

2014 Sekretariat der Commissio Episcopatuum Communitatis Europensis (COMECE) (=Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union) Brüssel

2014 - 2015 Honorarkraft für das KAB-Bildungswerk des KAB Diözesanverbandes München und Freising e.V.

2015 - 2017 DFG-Graduiertenkolleg „Die christlichen Kirchen vor der Herausforderung ‚Europa‘ (1890 bis zur Gegenwart)“ der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz

2017 - heute Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz Bonn

Derzeitige Tätigkeit Geschäftsführer der Kommission für caritative Fragen (XIII) der Deutschen Bischofskonferenz

lenzWelche ist die angenehmste Erinnerung an Ihr Theologie-Studium?

Eine sehr angenehme Erinnerung über die ganze Studienzeit hinweg ist der respektvolle und interessierte Umgang der Lehrenden auf Augenhöhe mit den Studentinnen und Studenten, sodass die unterschiedlichen Ebenen in Bezug auf Wissen oder Hierarchie oft nur eine untergeordnete Rolle spielten. Sehr angenehme Einzelerinnerungen habe ich an die Exkursionen nach Israel und Großbritannien: Exegese und Kirchengeschichte vor Ort erfahren an beeindruckenden Plätzen und mit interessanten Unternehmungen und das alles in jeweils tollen Gruppen aus Studierenden, Mittelbau und Professorium.

Was würden Sie im Blick auf Ihre Studienzeit heute anders machen?

Ich würde aus heutiger Sicht öfter Veranstaltungen der beiden anderen Konfessionen oder auch anderer Studienfächer besuchen. Die Möglichkeit, unter geringem Aufwand eine breite Auswahl qualitativ hochwertigen Wissens erwerben zu können, bietet sich nach dem Studium nicht mehr in dieser Form.

Was würden Sie im Blick auf Ihre Studienzeit heute wieder so machen?

Ich würde erneut nicht nur die Pflichtveranstaltungen besuchen, die die Studienordnung vorgeschrieben hat, sondern darüber hinaus Vorlesungen, Seminare oder Kolloquien besuchen, die mein Interesse wecken. Ich würde auch wieder versuchen, als studentische Hilfskraft zu arbeiten, weil selbst diese wenigen Stunden an den Lehrstühlen zusätzliche interessante Einblicke und Kontakte ermöglichen. Ich würde mich auch wieder mit meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen intensiv austauschen über die Fragen, die sie und mich im Hinblick auf unseren Glauben beschäftigen.

Wie ging Ihr beruflicher Weg nach dem Studium weiter?

Noch vor meinem Abschluss in München bekam ich die Zusage für eine Stelle bei der COMECE in Brüssel, die ich direkt im Anschluss daran antrat, zunächst als Praktikant, dann für einige Monate als Referent. Von dort bewarb ich mich für ein Promotionsstipendium in einem interdisziplinärem Graduiertenkolleg in Mainz. Die Zeit zwischen diesen beiden Orten überbrückte ich mit einer Honorartätigkeit in München, die ich auch nach meinem Beginn in Mainz für einige Zeit fortführen konnte. Nachdem ich zweieinhalb Jahre in Mainz an meiner Promotion gearbeitet hatte, wurde ich auf die Ausschreibung der Deutschen Bischofskonferenz aufmerksam gemacht für die Stelle, die ich nun seit drei Jahren bekleide.

Wie sieht heute Ihr Arbeitsalltag aus? Was sind Ihre wesentlichen Aufgaben?

Die Kommission für caritative Fragen befasst sich mit der inhaltlichen Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Caritas als Grundvollzug der Kirche. Sie beobachtet und analysiert für die Deutsche Bischofskonferenz die Entwicklungen im Sozial- und Gesundheitswesen und nimmt zu diesen Stellung. Die Kommission ist zudem Aufsicht und Ansprechpartner für die inhaltliche Arbeit und organisatorischen Belange des Deutschen Caritasverbandes und seiner Fachverbände. Als Geschäftsführer bestehen meine Aufgaben unter anderem in der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung der Sitzungen der Kommission. Des Weiteren liefere ich Stellungnahmen, Rede- und Textentwürfe für die Bischöfe und beantworte in ihrem Auftrag Schreiben, die Institutionen oder Einzelpersonen an die Bischofskonferenz richten. Ich halte den Kontakt zu verschiedenen Verbänden innerhalb der Caritas und vertrete die Bischöfe und ihre Positionen in unterschiedlichen verbandlichen, gesellschaftlichen und politischen Gremien.

Welche drei Eigenschaften muss man mitbringen, wenn man Ihren Job ausfüllen will?

1. Kommunikationsfähigkeit in allen Formen.
2. Kritisch-konstruktive Loyalität.
3. Kenntnisse von kirchlichen Strukturen und Bewusstsein für die jeweiligen Kompetenzen.

Welche Zukunft sehen Sie für Theologinnen und Theologen in Ihrem Bereich?

Die katholische Kirche wird immer gut ausgebildete, engagierte und geistig offene Theologinnen und Theologen brauchen, die ihr Wirken kritisch begleiten und die die Gründe für die Positionen und das Handeln der Kirche verstehen und erklären können.

Eine wichtige Erfahrung, die Sie in der Arbeitswelt gemacht haben, ist:

Nach Hilfe zu fragen, ist kein Zeichen von Schwäche. Hilfe zu gewähren, hilft am Ende beiden Seiten.

Wie nützt Ihnen Ihr Studium heute? Wie hat die Theologie Ihr Leben bereichert?

Nicht jeder Teil meines Studiums nützt mir jeden Tag, aber ich nütze jeden Tag Wissen und Fähigkeiten, das bzw. die ich im Studium erworben habe.

Was möchten Sie jungen Theologinnen und Theologen mit auf den Weg geben?

Keine Scheu vor großen Namen oder bedeutender Stellung. Viele Menschen, auch in höheren Positionen, geben gerne berufliche Tipps oder tauschen sich über Fragen und Themen aus, wenn man sie höflich anspricht. Das gilt für Professorinnen und Professoren wie für Menschen in der Politik und in der Kirche. "Warum?" ist eine berechtigte, eine notwendige Frage, die bei zu wenigen Entscheidungen gestellt oder befriedigend beantwortet wird - privaten wie gesellschaftlichen. Zweifel am eigenen Glauben ist kein Zeichen von Mangel an Glauben.

Was ist die drängendste theologische Frage unserer Zeit?

Was heißt es, den Menschen εἰς τὸ μέσον zu stellen?

Was darf auf keiner Reise fehlen?

Fotoapparat, Allzweckschal, internetfähiges Gerät zur Recherche, Geld und Schutzengel

Bei welcher Musik machen Sie das Radio lauter?

- Ludwig van Beethoven (nicht nur weil ich Wahl-Bonner bin)                                                                                                                               - AC/DC                                                                                                                                                                                                                              - Tower of Power                                                                                                                                                                                                               - Mnozil Brass

Sie nehmen vier Bücher auf die sprichwörtliche einsame Insel mit. Welche wären das?

Buchtitel: Der Herr der Ringe Gesammelte Werke in einem Band Die Bibel Ein leeres Tagebuch
Autor: J. R. R. Tolkien Franz Kafka

 

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