Netzwerkbüro Theologie und Berufsqualifikation
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Alumni-Portrait: Patrick Ruf - Investment Manager bei BonVenture

Name Patrick Ruf
Geburtsjahr 1985
Studium
(Studiengang/-gänge
sowie Studienort/-orte)

Katholische Theologie in Freiburg i. Br (Vordiplom); Katholische Theologie in München (Diplom); Wirtschaftspädagogik in München (Diplom)

Abschlussjahr 2012 (Theologie) bzw. 2013 (Wirtschaftspädagogik)
Berufliche Stationen Projektmanagement für einen Wirtschaftsverband im Bereich Entrepreneurship-Förderung; Projektmanagement für eine Stiftung im Bereich Wirkungsorientierter Finanzierung
Derzeitige Tätigkeit Investment Manager bei BonVenture (dem ersten deutschen Social Venture Capital Fonds)

rufWelche ist die angenehmste Erinnerung an Ihr Theologie-Studium?

Das sind wirklich viele. Die Seminare in Sozialethik waren stets eine echte Bereicherung. Aber eigentlich alle Seminare. Ich habe sehr viele Seminare besucht, habe bei Vorlesungen aber die Freiheit des Studiums genutzt und davon nur wenige besucht. Ich habe auch stets versucht an interdisziplinären Veranstaltungen teilzunehmen. Ich erinnere mich an gemeinsame Seminare der Moraltheologie mit einem Lehrstuhl der Juristen oder Seminare der Sozialethik mit dem Unternehmensethik-Lehrstuhl der BWL’er. In Freiburg hatten wir eine gemeinsame Vorlesung der Fundamentaltheologie mit Physikern. Das weitet den Blick und hilft beim „out of the box“-Denken. Diese Interdisziplinarität mochte ich stets am meisten an der Theologie. Ein echtes studium generale. Außerdem hat man mit Theologie nicht nur ein unglaublich vielfältiges Studium, man trifft dort auch auf sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und Typen. Den Austausch mochte ich immer sehr.

Was würden Sie im Blick auf Ihre Studienzeit heute anders machen?

Eigentlich schaue ich sehr zufrieden auf meine Studienzeit zurück und vermisse wenig…. Ich würde vielleicht noch mehr Ringvorlesungen von fachfremden Themen besuchen oder die zusätzlichen Ausbildungsangebote nutzen, die die Universität bietet. Von Gleitschirm- oder Segelscheinen im Hochschulsport bis zu Rhetorik oder Stimmbildungsseminaren.

Was würden Sie im Blick auf Ihre Studienzeit heute wieder so machen?

Trotz meines Doppelstudiums hatte ich gefühlt unglaubliche Freiheiten. Zwei Dinge würde ich auf jeden Fall wieder tun: 1. Mich tagelang in der Bibliothek einsperren um kreuz und quer Bücher zu lesen und zu stöbern. Ich hatte wirklich Spaß daran. 2. Ich würde mich auf jeden Fall wieder in einer Hochschulgruppe engagieren. Ich war damals z.B. stark in der Lokalgruppe von sneep, einem studentischen Netzwerk für Wirtschaftsethik, engagiert. Das möchte ich rückblickend nicht missen.

Wie ging Ihr beruflicher Weg nach dem Studium weiter?

Ich habe bereits während des Studiums als Werkstudent bei meinem jetzigen Arbeitgeber BonVenture gearbeitet. Einem Investmentfonds für Social Entrepreneurs. Die Arbeit mochte ich dort total gerne, so dass ich unbedingt in dieser doch sehr spezifischen Branche bleiben wollte. Bei BonVenture selbst war damals jedoch keine Stelle frei und Fluktuation in einem kleinen Team quasi nicht vorhanden. Dem Thema bin ich aber auf verschiedenen Stationen verbunden geblieben und habe mehrere Jahre im Bereich Entrepreneurship Förderung beim Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft und später bei einer Stiftung gearbeitet, die u.a. den ersten Social Impact Bond in Deutschland aufgelegt hat und sich insgesamt viel mit wirkungsorientierter Finanzierung beschäftigt hat. Der Social Entrepreneurship „Szene“ bin ich quasi treu geblieben und irgendwann kam ein Anruf von meinem jetzigen Arbeitgeber, dass eine Stelle frei wird. Da habe ich nicht gezögert.

Wie sieht heute Ihr Arbeitsalltag aus? Was sind Ihre wesentlichen Aufgaben?

Mein Jobtitel lautet Investment Manager. Mit BonVenture investieren wir in Start-Ups die einen klaren sozialen oder ökologischen Mehrwert haben und unterstützen diese zudem beim Aufbau des Unternehmens mit unserem Netzwerk oder bei strategischen Entscheidungen im Aufsichtsrat/Beirat. BonVenture ist der einzige Venture Capital Fonds, der auch gemeinnützige Start-Ups (gGmbH, gAG oder e.V.) unterstützt. Meine Aufgaben sind dabei sehr vielfältig. Von der Auswahl der Unternehmen, der Investmentprüfung, Vertragsverhandlung bis zur späteren Begleitung mit einem Aufsichtsrat/Beiratsmandat und dann irgendwann auch einem Exit, d.h. sobald die Unternehmen groß genug sind und ohne fremdes Wachstumskapital auskommen, die Veräußerung der Beteiligung. Die Aufgaben sind wirklich sehr bunt und reichen damit von Finanzplänen, Bilanzen und juristischen Abhandlungen bis zu HR-Themen oder fast schon seelsorgerlichen Tätigkeiten in Krisenzeiten. Da sich BonVenture auch als Pionier des Social Venture Capital versteht, gehört es zu meinem Job auch dazu Vorträge zu halten, an Podiumsdiskussionen teilzunehmen oder auf Konferenzen Workshops zu halten. Einen echten Arbeitsalltag habe ich daher gar nicht. Das Theologiestudium hilft mir dabei aber immer wieder. Zum einen greife ich fachlich doch immer wieder auf sozialethisches Wissen zurück. Ohne ethisches Verständnis kein ethisches Investieren. Zum anderen lehrt einen das viele Lesen im Studium, sich schnell und äußerst analytisch in komplexe Themen reinzudenken.

Welche drei Eigenschaften muss man mitbringen, wenn man Ihren Job ausfüllen will?

1. Neugierig sein und das auch bleiben. Nie meinen jetzt weiß man alles oder hat schon alles gesehen.
2. Analytische Fähigkeiten und ein Gespür für Wirtschaft, Geschäftsmodelle und die dort agierenden Menschen
3. Netzwerken

Welche Zukunft sehen Sie für Theologinnen und Theologen in Ihrem Bereich?

Nach der Ausbildung fragt in meinem Arbeitsumfeld niemand. Ich bin zwar stets der einzige Theologe auf den ich treffe, aber bei meinen Kollegen haben wir so ziemlich alles außer klassischen BWL’ern, die man vielleicht erwartet. Statistiker, Psychologen, Philosophen, Mathematiker,…. Die Chancen für Theologen sollten nicht schlechter stehen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass viele, die im Venture Capital arbeiten, zuvor einige Jahre in der Strategieberatung waren. Auch sollte man keine Angst vor Excel oder Zahlen haben. Aber das sind Dinge, die man sehr schnell lernen kann und nichts wofür man BWL oder VWL studieren muss. Aber um fair zu sein: natürlich war es für mich ein Türöffner auch ein Diplom der betriebswirtschaftlichen Fakultät zu haben.

Eine wichtige Erfahrung, die Sie in der Arbeitswelt gemacht haben, ist:

„Jedes Problem zu seiner Zeit“ oder wie es auch oft heißt „Let’s cross the bridge when we get there“. Vieles kann man im Vorfeld durchdenken und Probleme kann man antizipieren. Aber am Ende treten eigentlich immer unvorhergesehene Themen auf und es braucht stets eine große Portion Alltagsintelligenz, um diese zu lösen. Gelassenheit hilft dabei häufig mehr als sich im Vorfeld zu viele Gedanken oder Sorgen zu machen.

Wie nützt Ihnen Ihr Studium heute? Wie hat die Theologie Ihr Leben bereichert?

Sehr oft wurde ich schon gefragt, wie man denn BWL und Theologie gemeinsam studieren kann. Meine Antwort war häufig, dass ich nicht verstehen kann, wie man Ökonomie ohne Theologie studieren kann. Ohne Theologie hätte ich von BWL nur die Hälfte von dem verstanden, von dem ich meine etwas verstanden zu haben. Das Theologiestudium hat mir erst die notwendigen Einblicke gebracht in ideengeschichtliche Entwicklungen, verschiedene philosophische Strömungen und kulturelle Grabenkämpfe von der Antike bis zur Neuzeit die den Geist unserer Zeit geprägt haben. Insofern zehre ich nach wie vor sehr viel von meinem fachlichen Studium. Mein Theologiestudium konnte ich auch sehr frei gestalten. Das hat mich gelehrt eigenverantwortlich mit dieser Freiheit umzugehen und mich selbst zu organisieren. Auch davon zehre ich noch. Die eigentliche Bereicherung für mein Leben fand aber auf einer ganz persönlichen Ebene statt in den Freundschaften die bis heute andauern.

Was möchten Sie jungen Theologinnen und Theologen mit auf den Weg geben?

Seid neugierig. Schaut über den Tellerrand. Nutzt die universitäre Freiheit. Nutzt die Angebote der Uni. Übernehmt Verantwortung wo immer es geht. Aber macht euch auch keine Sorgen oder verkrampft euch (ich kenne keinen einzigen arbeitslosen Theologen/in aus meinem Studium). Vergesst daher das Feiern nicht und macht euch eine gute Zeit.

Was ist die drängendste theologische Frage unserer Zeit?

In einer zunehmend säkularisierten und pluralen Welt die eigene Rolle und die Rolle für das Christentum in dieser Welt neu zu definieren. Die Theologie sollte die Kirche dabei unterstützen, den scheinbaren Spagat zwischen kultureller Erneuerung, z.B. im Hinblick auf die Rolle der Frau in der Kirche, und der Verpflichtung gegenüber der Tradition zu meistern.

Was darf auf keiner Reise fehlen?

Da bin ich altmodisch: ein Taschenmesser und wenn es irgendwie ins Gepäck passt meine Gitarre.

Bei welcher Musik machen Sie das Radio lauter?

Bei Punk-Rock, aber eigentlich bei jeder handgemachten Musik mit verzerrten Gitarren.

 

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