Netzwerkbüro Theologie und Berufsqualifikation
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Alumni-Portrait: Martin Wirth - HR Business Partner

Name Martin Wirth
Geburtsjahr 1983
Familienstand/Kinder verheiratet, vier Kinder
Studium
(Studiengang/-gänge
sowie Studienort/-orte)
Theologie und Philosophie an der Theologischen Fakultät Trier (Grundstudium - Vordiplom) und an der LMU München (Hauptstudium - Diplom)
Abschlussjahr 2010
Berufliche Stationen Allianz SE
Allianz Capital Partners GmbH
Provinzial NordWest Holding AG
Derzeitige Tätigkeit HR Business Partner, Provinzial NordWest Holding AG

wirthWelche ist die angenehmste Erinnerung an Ihr Theologie-Studium?

Die studentische Freiheit, das selbstständige Arbeiten und die bewusste Entscheidung "In welche Vorlesung gehe ich und welche erspare ich mir" vor dem Hintergrund der Verantwortung für das Bestehen der Klausuren erfahren zu dürfen. Also Freiheit und Verantwortung.

Was würden Sie im Blick auf Ihre Studienzeit heute anders machen?

Vor dem Hintergrund der heutigen beruflichen und familiären Pflichten würde ich die unbekümmerte Freiheit, die ich in meiner Studienzeit hatte noch bewusster genießen wollen und viel mehr Dinge tun, für die mir heute leider keine Zeit bleibt.

Was würden Sie im Blick auf Ihre Studienzeit heute wieder so machen?

Während des Hauptstudiums konnte ich als Werkstudent bei der Allianz SE, der Holding Gesellschaft des Konzerns in der Königinstraße erste berufliche Erfahrungen machen. Hier gibt es eine ausgezeichnete Kantine, so dass mir das Mensa Essen dadurch bis zum Ende meines Studiums erspart blieb. Daneben konnte ich wertvolle praktische Erfahrungen sammeln und durch Leistungsbereitschaft meinen beruflichen Einstieg vorbereiten. Ohne einen solchen Praxisbezug, nur mit dem "reinen" universitären Abschluss halte ich den beruflichen Einstieg eines Geisteswissenschaftlers in der freien Wirtschaft für rein illusorisch.

Wie ging Ihr beruflicher Weg nach dem Studium weiter?

Nach meinem Abschluss im Juli 2010 erhielt ich im September 2010 einen Arbeitsvertrag bei der Allianz SE. Dort durchlebte ich unterschiedliche Funktionen im Personalbereich, die jedoch immer sehr analytisch und strukturiert waren.
Nach fünf Jahren im Berufsalltag hatte ich 2015 erneut den Wunsch nach einer Weiterbildung und ich entschied mich - neben möglichen Alternativen wie Promotion oder einem Business MBA - für eine praktischere und operativ tiefer verankerndere Alternative: der Prüfung zum Geprüften Personalfachkaufmann der Industrie und Handelskammer (IHK), die ich nach zwei Jahren erfolgreich beenden konnte.
Da ich seit meiner Werkstudententätigkeit nur in der Allianz SE berufliche Erfahrungen sammeln konnte, wechselte ich im Frühjahr 2016 in eine kleine Gesellschaft der Allianz, die das Private Equity Geschäft der Allianz Gruppe verwaltet. Im Gegensatz zum Arbeiten im Konzern brachten mir die viel schlankeren Prozesse und Arbeitsabläufe in dieser GmbH wieder einen großen Mehrwert in meinem beruflichen Alltag. Auch die dort vorhandenen flachen Hierarchien bereichern meine Entscheidungsprozesse bis heute.
Im Frühjahr 2018 wechselte ich schließlich zur Provinzial NordWest Holding AG, da ich gemeinsam mit meiner Frau den Entschluss gefasst hatte, dass wir unsere Wurzeln bei meinen Schwiegereltern im Münsterland schlagen wollten, um dort im Grünen unseren Kindern ausreichend Platz zum heranwachsen zu geben. Dort bin ich nun als HR Business Partner für die Führungskräfte von zwei Vorstandsbereichen der Hauptansprechpartner in allen Personalangelegenheiten.

Wie sieht heute Ihr Arbeitsalltag aus? Was sind Ihre wesentlichen Aufgaben?

In meiner Rolle als Business Partner Personal steuere ich die Personalprozesse für das Ressort 2 (Lebensversicherung und Kapitalanlagen) und das Ressort 3 (Finanzen und Risikomanagement) der Provinzial NordWest Holding AG. In dieser Rolle biete ich den Führungskräften eine proaktive Beratung und Begleitung bei der Erarbeitung und Umsetzung der Personalstrategien bzw. im Rahmen des individuellen Arbeitsverhältnisses (z. B. bei Führungsthemen, individuellen Maßnahmen, Mitarbeitergesprächen sowie bei der Umsetzung von Richtlinien). Diese Beratung umfasst, z. B. die Vorbereitung von schwierigen Mitarbeitergesprächen, Leistungsthemen, Vorbereitung und Steuerung der jährlichen Vergütungsmaßnahmen, inkl. Beratung der Führungskräfte bei der Festlegung von Gehältern und Umsetzung der Richtlinien, die Anwendung von Sozialplaninstrumenten im Rahmen von Reorganisationen usw. Auch wirke ich in meiner Rolle bei der Budget- und Personalplanung mit.
Daneben bin ich auch der Ansprechpartner für die Betriebsräte zu Entwicklungen und Initiativen meiner beiden Vorstandsbereiche und ich wirke bei der Entwicklung konkreter Maßnahmen und neuer Personalprodukte mit, bzw. kann diese auch beauftragen.
Bei der Provinzial NordWest handelt es sich um ein Unternehmen, das an drei Standorten in Münster, Kiel und Hamburg Mitarbeiter beschäftigt. Mein Arbeitsplatz ist in Münster. Den ein oder anderen Termin nehme ich aber auch in Kiel und Hamburg war.

Welche drei Eigenschaften muss man mitbringen, wenn man Ihren Job ausfüllen will?

1. Soziale Kompetenz und Menschenkenntnis, auch Verhandlungsgeschick
2. Analytische Kompetenz
3. Sprachen und IT Kenntnisse, hier vor allem wegen der zunehmenden Digitalisierung der Prozesse

Welche Zukunft sehen Sie für Theologinnen und Theologen in Ihrem Bereich?

Das Theologiestudium bietet durch seine unterschiedlichen Disziplinen und Teilgebiete eine sehr gute Voraussetzung, um im Personalbereich auf die unterschiedlichen Facetten des beruflichen Alltags zu reagieren. Je nach Situation kann eine andere Kompetenz im Mittelpunkt stehen: wie z.B. der Pastoraltheologe, der aus Verständnis für die Mitarbeiter entscheidet, oder der Liturgiewissenschaftler, der die Kultur des Unternehmens kennt, oder der Kirchenrechtler, der juristisch klar den Sachverhalt argumentieren muss, oder aber der Dogmatiker, der systematisch die Richtlinien des Unternehmens vertritt.

Eine wichtige Erfahrung, die Sie in der Arbeitswelt gemacht haben, ist:

Leistung lohnt sich und muss sich auch lohnen.
Gleichmacherei führt zu Unmut, denn "das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (Kierkegaard)

Wie nützt Ihnen Ihr Studium heute? Wie hat die Theologie Ihr Leben bereichert?

Vor allem das selbstständige und selbstverantwortliche Arbeiten dient mir im beruflichen Alltag in der Findung von Entscheidungen und lässt mich diese auch selbstbewusst umsetzen. Der Glaube bereichert natürlicherweise mein Leben und das meiner gesamten Familie. Da hat das Theologiestudium nicht viel beisteuern müssen.

Was möchten Sie jungen Theologinnen und Theologen mit auf den Weg geben?

Die Theologie hat keinen Selbstzweck sondern muss immer als Dienst am Nächsten und als Dienst am Leib Christi, der die Kirche ist, verstanden werden.

Was ist die drängendste theologische Frage unserer Zeit?

Was begehrst Du von der Kirche Gottes? - Den Glauben
Was gewährt Dir der Glaube? - Das ewige Leben
Wenn wir über die Dramatik dieser beiden Fragen - und es sind zutiefst theologische Fragen - reflektieren und sie betrachten, geraten alle weiteren Fragen, wie z.B. die soziale Frage oder die ökonomischen und ökologischen Fragen, aber auch die Fragen mit denen man sich heute in der Kirche beschäftigt sehr weit in den Hintergrund.

Was darf auf keiner Reise fehlen?

Kleidung für alle denkbaren Anlässe.

Bei welcher Musik machen Sie das Radio lauter?

Musik von John Miles und alles an Blasmusik.

Sie nehmen vier Bücher auf die sprichwörtliche einsame Insel mit. Welche wären das?

Buchtitel: Der Herr der Ringe Einführung in das Christentum The Dream of Gerontius Brave New World
Autor: Tolkien Ratzinger Newman Huxley

 

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